Glücksspielsüchtig?


Abgelegt unter Allgemein von alex - Mai 18, 2010

Rien ne vas plus, nichts geht mehr. Für viele steht dieser Satz exemplarisch für ihre derzeitige Situation, in der sie dank Glücksspielen jetzt sitzen. Die Wege sind vielfältig, egal ob über Automaten, Kasinos oder Wettbüros, das Ziel ist fast immer das Selbe: der soziale und finanzielle Ruin, gepaart mit dem letzten verzweifelten Klammern an die Hoffnung beim nächsten Mal das große Los zu ziehen.

12 Millionen Euro. 12 Millionen Möglichkeiten den derzeitigen Lotto-Jackpot auszugeben – sollte man ihn gewinnen. Für die meisten Bewohner Deutschlands ist das viel Geld, allein der Gedanke daran treibt die eingefleischten Lotto-Spieler zu den Kiosks und Zeitungsläden. Doch ist das regelmäßige Lotto-Spielen schon eine Sucht? Wo verläuft die Grenze zwischen krankhaftem und gelegentlichem Spielen? Dies lässt sich nicht verallgemeinern, es kommt auf die Person und ihren Kontext im Einzelnen an. Im Allgemeinen hat das übliche 6 aus 49 Lotto ein relativ geringes Suchtpotenzial, wohl aber ein Gefährdungspotential das Spiel zur Sucht werden zu lassen. Besonders beim Systemspiel ist Vorsicht geboten, hier lassen mit einem zusätzlichen Geldeinsatz die Gewinnchancen erhöhen. Das Problem ist, dass die so schon äußerst geringen Chancen nur minimal steigen, das Verlustrisiko aber erhöht wird. Trotzdem ist ein Lotto-Sucht relativ selten.

Warum ist das so? Ganz einfach weil die Droge des Glücksspielsüchtigen nicht vorrangig das Spiel an sich ist, sondern der Nervenkitzel den man dabei erlebt. Beim Lotto ist dieser relativ gering, man kauft sich ein Los und muss erst einmal warten bis die Zahlen gezogen werden. Anders ist es bei Spielen mit deutlich geringerer Spieldauer, wie zum Beispiel bei Glücks- und Geldspielautomaten. Diese Geräte haben ein ausgesprochen hohes Suchtpotenzial, vor allem aufgrund der meist nur wenigen Sekunden langen Spielabfolgen und den geringen Mindesteinsätzen. Spielanreizverstärkend ist auch die Möglichkeit der unmittelbaren Reinvestition der Gewinne, sowie die starken Licht- und Toneffekte. Hinzu kommt, zumindest bei Geldspielgeräten, die leichte Erreichbarkeit im gastronomischen Bereich.

Lotto und Glückspielautomaten stellen aber nur eine kleine Schnittmenge der Glücksspiele mit Gefährdungspotential dar. Verantwortungsvoll spielen sollte man auch bei Roulette und Kartenspielen in Spielbanken, Online-Poker, Sportwetten, Rubbelllosen, der Keno-Lotterie, aber auch bei Gewinnhotlines, Börsenspekulationen und privat organisiertem Glücksspiel. Alle diese Formen haben, einige mehr, andere weniger, gewisse Eigenschaften, oder Spielregeln, welche als Faktoren des Suchtpotenzials bezeichnet werden:

  • Schnelle Spielabfolge – Je schneller, desto höher die Suchtgefahr.
  • Auszahlungsintervall – Dies hängt mit der Spielabfolge zusammen. Je kürzer des Intervall, desto schneller kann der Gewinn wieder in ein neues Spiel investiert werden.
  • Aktive Einbeziehung des Spielers – Der Glaube an die aktive Mitbestimmung des Spieles, zum Beispiel durch Stopp-Tasten oder Insiderwissen, wird oft stark überschätzt.
  • Verbindung mit anderen Interessen – Eine Verbindung mit anderen Interessen, wie etwa der Bezug zum Sport bei Sportwetten, führt zur Verharmlosung des Spieles.
  • Gewinnchancen und -höhe – Hohe Gewinne verstärken den Spielanreiz.
  • Fast-Gewinne – Knapp daneben ist auch vorbei, ein “Fast-Gewinnen” ist immer ein Verlieren!
  • Effekte und Atmospähre – Man sollte sich nicht täuschen lassen. Die Licht- und Toneffekte bei Automaten verursachen einen unbewussten Anreiz zum Weiterspielen, die Atmosphäre in Kasinos, Wettbüros und Pferderennbahnen suggeriert ein Gefühl von Freizeitvergnügen, Aktivität und Spaß.
  • Leichte Verfügbarkeit – Je leichter das Glücksspiel verfügbar ist, umso größer ist die Chance es wieder zu spielen. Dies stellt besonders bei abstinenten Spielern ein hohes Rückfallpotenzial darf.

Wer glaubt glücksspielsüchtig zu sein, der sollte auf jeden Fall professionelle Hilfe suchen, denn die Glücksspielsucht ist, wie fast jede andere Sucht, heilbar. Dazu muss man sich aber erst einmal selbst eingestehen süchtig zu sein und dann auch aktiv am Heilungsprozess mitwirken. Wer sich nicht sicher ist, kann sich selbst testen, zum Beispiel auf www.gluecksspielsucht.de -> Hilfe -> 20 Fragen.
Anonyme Hilfe gibts unter anderem hier:

Anonyme Spieler
Kontaktstelle Deutschland ANONYME SPIELER (GA)
Eilbeker Weg 20
D -22089 HAMBURG
01805 – 7700 7600

Mai
18

Deutscher Glücksspielmarkt stark vom Ausland kontrolliert


Abgelegt unter Allgemein von alex - Apr 21, 2010

Der Glücksspielstaatsvertrag hat die deutschen Glücksspielkarten neu gemischt, so viel steht fest. Nur sieht es heute so aus, dass die, die davon profitieren wollten, nun das schlechtere Blatt in der Hand halten.

Im Jahr 2008 wurde mit dem Glücksspielstaatsvertrag das staatliche Glücksspielmonopol Deutschlands gestärkt und (unter anderem) die Werbung und der Online-Vertrieb für Glücksspiele verboten. Das hatte für den im letzten Jahr über 10 Milliarden Euro schweren Glücksspielmarkt erhebliche Konsequenzen. Diese wurde nun von dem Beratungsunternehmen Goldmedia in der aktuellen Studie “Glücksspielmarkt Deutschland 2015″ untersucht. Konkret wurden die Auswirkungen dieser Neuordnung auf die einzelnen Glücksspielsegmente Wetten, Lotto, Casino und Poker analysiert und kürzlich in Berlin vorgestellt. Die Folgen:

  • Abhängig vom Bereich (Wetten, Lotto, Casino, Poker) werden erhebliche Teile des Glücksspielmarktes (zwischen drei und über 90 Prozent) ohne staatliche Restriktionen von ausländischen Anbietern dominiert.
  • Zum Teil massive Umsatzeinbrüche seitens der staatlichen Glücksspielanbieter sind zu beobachten.
  • Das Glücksspiel im Internet (auch Online-Sektor genannt) wächst stetig und operiert dabei vollständig im rechtsgrauen Raum
  • Etliche private Glücksspielanbieter sind ins Ausland abgewandert.

Starke Verbreitung “unregulierter” Anbieter

© Stihl024 / PIXELILO

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Sogenannte unregulierte Anbieter, also ausländische und nicht in Deutschland ansässige kontrollierte Unternehmen, haben den mit Abstand höchsten Marktanteil im Bereich der Wetten. Ende 2009 lag hier der Spieleinsatz bei insgesammt 7,8 Milliarden Euro. Nur 0,5 Milliarden Euro wurden von staatlichen Produkten wie Pferdewetten, Oddset und Fußballtoto generiert. Damit fallen ganze 94 Prozent des Marktes in die Hände von unregulierten Anbietern: 2,4 Milliarden Euro werden von den noch existierenden Wettshops, 3,9 Milliarden Euro von Onlineanbietern und weiter 1 Milliarden Euro werden vom Schwarzmarkt generiert.

Insgesamt betrachtet, machte das regulär betriebene Glücksspiel zum Teil heftige Verluste. In den einzelnen Segmenten verlief diese Entwicklung unterschiedlich:

  • Die Spieleinsätze verringerten sich im Vergleich zum Jahr 2005 von 9,9 Milliarden auf 8,3 Milliarden Euro – ein Minus von 1,6 Milliarden Euro. Dies betrifft legale Lottopordukte wie etwa Angebote des Deutschen Lotto- und Totoblocks (DLTB), den Fernsehloterrien, oder die Klassenlotterien. Letzter machten besonders starke Verluste.
  • Im selben Zeitraum verringerte sich der Bruttospielertrag der legalen Casinoprodukte der Spielbanken von 1,1 Milliarden auf 0,8 Milliarden Euro.
  • Einzig der Markt für legale gewerbliche Spielautomaten wuchs von 2005 bis 2009. Der Bruttospielertrag stieg von 2,4 auf 3,3 Milliarden Euro. Damit machen sie das zweitgrößte Marktsegment nach dem Lotto aus.

Glücksspiel im Internet wächst weiterhin

Eine stark positive Entwicklung ist auch auf dem Markt zu erkennen, den der Glücksspielvertrag besonders stark einschränkt: Die Online-Glücksspielmärkte (Online-Wetten, Online-Casinos, Online-Poker, Online-Games) wuchsen, in Hinblick auf den Bruttospielertrag, von 2005 bis 2009 pro Jahr um etwa 30 Prozent. Das Marktvolumen lag 2009, inklusive der Anbieter die ohne legale Grundlage operierten, bei etwa einer Milliarde Euro. “Grundlage für dieses Wachstum ist die hohe Zahl der Gambling-Angebote im Internet”, erklärt Studienautor und Goldmedia-Senior-Consultant Dr. Michael Schmid. “Ohne reguliertes Online-Angebot weichen die Spieler gegenwärtig offenbar vollständig auf ausländische Gambling-Portale aus. Davon gibt es trotz oder gerade wegen der strengen Regulierung in Deutschland immer mehr: So ist die Zahl deutschsprachiger Angebote seit 2005 um 60 Prozent auf über 500 Angebote im Jahr 2009 gestiegen. Die meisten der Anbieter berufen sich dabei inzwischen auf eine Lizenz aus dem europäischen Ausland.”

Apr
21

Lottoumsätze auf Talfahrt


Abgelegt unter Allgemein von alex - Apr 7, 2010

Die goldenen Zeiten für die Glücksspielindustrie sind spätestens seit 2007 vorbei. Dies war das Jahr, als der heftig umstrittene Glücksspielstaatsvertrag in Kraft trat. Dieser, welcher der deutschen Glücksspielindustrie starke Beschränkungen etwa in Vertrieb und Werbung auferlegten. Dies macht sich nun bemerkbar, wie das ifo-Wirtschaftsforschungsinstitut bereits Ende 2006 voraussagte.

© Kaylord / PIXELIO

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Laut einer Pressemitteilung des Deutschen Lottoverbandes haben die staatlichen Lottogesellschaften einen Umsatzeinbruch von über 21 Prozent zu beklagen – im Vergleich zum Vorjahrsquartal von Januar bis März. Rechnet man dies auf den Jahresumsatz hoch, dürften rund 1 Milliarden Euro in den staatlichen Lottokassen fehlen. Für alle die sich jetzt denken: toll, die machen eh nur Profit aus der Hoffnung von vielleicht leichtgläubigen Menschen, der sollte einmal darüber nachdenken für was ein Großteil der Gelder verwendet wird. Denn die Folge wird sein, dass den Bundesländern 2010 über 400 Millionen Euro an Steuern und Zweckerträgen fehlen werden. Das bedeutet tiefe Einschnitte für zahlreiche Projekte aus Sport, Wohlfahrt und Kultur, die allesamt aus dem Lotto-Topf gefördert werden.

Grund für die starken Verlusten sind die massiven Werbe- und Vertriebsbeschränkungen, sowie das Internetverbot, welche vom Glücksspielstaatsvertrag seit 2007 vorgeschrieben werden. Diese Vorschriften werden aber zum Teil äußerst unkonsequent durchgesetzt. Während die Verbote bei gewerblichen Spielvermittlern aufs schärfste durchgesetzt werden, hat der Deutsche Lotto- und Totoblock (DLTB) seine Werbeausgaben im Vergleich zum Vorjahr nochmals gesteigert. Der DLTB ist eine Vereinigung der Lottogesellschaften der Bundesländer und beeinhaltet neben den Landesgesellschaften auf Produkte wie ODDSET, Toto, Glücksspirale und Keno.

Laut einer aktuellen Statistik der Nielsen Media Research GmbH geht hervor, dass etwa 51 Millionen Euro in Anzeigen-, Radio-, und Plakatwerbung flossen. Zusätzlich zu dieser Summe kommen noch Ausgaben für Jackpotwerbung in den einzelnen Annahmestellen, die von der Nielsen GmbH nicht erfasst wurden. Aber auch trotz der staatsvertragswidrigen, zusätzlichen Werbeaufwendungen gelingt es den staatlichen Lottogesellschaften nicht die Talfahrt zu bremsen. Was fehlt sind vor allem die von gewerblichen Spielvermittlern eingenommen Spieleinsätze. Unternehmen wie Faber, Jaxx und Tipp24 hatten vor der Einführung des Staatsvertrages rund 20 Prozent zun den Umsätzen der Lottogesellschaften beigetragen.

© Andreas Morlok / PIXELIO

© Andreas Morlok / PIXELIO

Derzeit wird von einer Länderkommission die Auswirkungen des noch bis 2011 geltenden Staatsvertrages evaluiert. Schon jetzt hat die Schwarz-Gelbe Regierung in Schleswig-Holstein in ihrem Regierungsvertrag festgelegt, den Vertrag nicht fortzusetzen.  Auch andere Länder haben signalisiert dem Beispiel Schleswig-Holsteins zu folgen und den stark umstrittenen Staatsvertrag nicht fortsetzen zu wollen.

Umstritten ist dieser vor allem deswegen, weil die starken Werbe- und Vertriebsrestriktionen, welche viele Unternehmen dazu zwang ihr Geschäfft einzustellen, oder zumindest stark einzuschränken, mit einer vermeintlichen “Lottosucht” begründet werden. Deren Existenz aber auch in Fachkreisen umstritten ist. Der renomierte und oft zitierte Glücksspielsuchtexperte Prof. Tilmann Becker, von der Forschungsstelle Glücksspiel an der Universität Hohenheim, bezeichnete erst vor kurzem wieder die “Lottosucht” als blanken Unsinn.
“Die verantwortlichen Politiker sollten sich jetzt schleunigst mit allen Marktteilnehmern an einen Tisch setzen, um ein vernünftiges Nachfolgemodell für den desaströsen Staatsvertrag zu entwickeln”, so Norman Faber, Präsident des Deutschen Lottoverbandes.

Apr
7

Keine Manipulation bei Oddset


Abgelegt unter Allgemein von Nina K. - Dez 17, 2009

Im Zusammenhang mit einem möglichen neuen, europaweiten Fußball-Manipulationsskandal erklärt Erwin Horak, Präsident der Staatlichen Lotterieverwaltung Bayern und Verantwortlicher im Deutschen Lotto- und Totoblock für die staatliche Sportwette ODDSET:

„Ein ausuferndes illegales Sportwettenangebot führt zu Manipulation, Geldwäsche und Betrugsdelikten, wie die aktuellen Ereignisse zeigen. Nicht ohne Grund sind in Deutschland Sportwetten im Internet und kommerzielle Wettbuden verboten. Dieses Verbot müssen die zuständigen Aufsichtsbehörden jetzt umso nachhaltiger durchsetzen. Die Entscheidung der Bundesländer für ein ausschließlich staatliches Sportwettenangebot von ODDSET ist eine richtige und wichtige Entscheidung gewesen, um kriminelle Machenschaften einzudämmen, die den Sport korrumpieren.“

ODDSET überwacht das Spielgeschäft mit Unterstützung eines fortlaufend optimierten Kontrollsystems in Echtzeit, um bei Auffälligkeiten sofort reagieren zu können. Es werden keine besonders manipulationsanfälligen Live-Wetten oder Wetten auf Ereignisse während des Spiels angeboten.

Es gibt keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass ODDSET von den aktuellen Manipulationsfällen betroffen ist.

Dez
17