Das “Las Vegas des Ostens”
Ein riesengroßes Spielkasino, mehrere Luxushotels mit über 1500 Betten, sowie Yachthafen und ein Golfplatz. Was wie eine Beschreibung der Wüstenstadt Las Vegas klingt, ist in Wahrheit der Plan für ein stillgelegtes Braunkohlekraftwerk im Osten Sachsen-Anhalts. Dort, in der knapp 1600-Seelen-Gemeinede Vockerode, soll nach den Pläne eines zyprisch-israelischen Investors ein “Entertainment-Center” der Superlative entstehen.
Die vornehmlich in Osteuropa tätige Sybilgroup hat große Pläne mit dem Gelände. Das Unternehmen, welches in Polen ein Mode-Großhandelszentrum, sowie diverse Shoppingmalls in Ungarn, Tschechien und Rumänien betreibt, spricht von einer Investition über 300 Millionen Euro. Nach eigenen Angaben würden sie damit etwa 3000 neue Arbeitsplätze schaffen – eine hoffnungsvolle Zahl für die strukturschwache Region.

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Sachsen-Anhalts Finanzminister bleibt indes skeptisch. “Wir brauchen keine neuen Luftschlösser im Land”, so Jens Bullerjah (SPD) gegenüber “Spiegel Online”. Doch die Sybilgroup scheint es ernst zu meinen. Im Zuge des Angebotes kauften sie schon Anfang des Jahres die wenig gewinnbringenden Spielbanken des Landes – für eine Millionen Euro, plus etwa 2,4 Millionen Euro für deren bereits abgelaufenen Schulden. Zwei Monate musste das Finanzministerium auf den Betrag warten und drohte schon mit dem Entzug der Spiellizenzen, sollte das Geld nicht bis zum 15. März überwiesen werden. Das zeigte offenbar Wirkung, letzten Montag überreichte der Deutschlandchef der Sybilgruppe, Stefan Sadeh, dem Finanzministerium einen Scheck. Dieses war selbst ein wenig verblüfft über den Ablauf, da man von Seitens des Unternehmens keine Nachricht erhalten hatte, sondern diese Information einer Pressemitteilung entnahm.
Doch diese Aktion ist noch nicht als endgültiger Kauf zu betrachten, denn es bestehe noch Überprüfungsbedarf, so das Ministerium. Auch von Seiten der Glücksspielaufsicht gibt es noch Fragen. Diese hatten in einem Brief Auskunft über diverse Punkte verlangt, unter anderem warum die Bargeldreserve in den Spielbänken um insgesamt 300.000 Euro gesenkt wurde. Diese Reserve muss ein Kasino vorweisen, sollte zum Beispiel der Jackpot geknackt werden. Das Unternehmen spricht hingegen von einem Missverständnis und bestreitet die Vorwürfe.
Alexander Musiolik, Betriebsratchef der Spielbanken, kritisierte den Vertrag im Vorfeld. Er forderte einen Rückkauf der Banken bei einem möglichen Lizenzentzug. Dies wurde jedoch von Bullerjahn abgelehnt. “Der Vertrag wird nicht rückabgewickelt”, sagte er gegenüber der “Mitteldeutschen Zeitung”. Demnach sei es Sache des Unternehmens die Probleme der Spielbanken in den Griff zu kriegen. Sollten diese insolvent gehen, wäre die Sybilgroup für die Abwicklung der Geschäfte und die Entlassungen zuständig. Einzig die Spiellizenzen würden an das Land zurückgehen und könnten erneut verkauft werden. Musiolik hingegen erklärte, das bei einem möglichen Bankrott die Verantwortung über die Kasinos an das Land übergehe, zumindest noch für das Jahr 2010, da es sich um einen Notverkauf handelte.

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Ungeklärt ist auch, ob sich das Projekt mit dem benachbarten Gartenreich Dessau-Wörlitz vereinbaren lässt. Der einzigartige Landschaftspark aus dem 18. Jahrhundert wurde Ende 2000 zum Weltkulturerbe ernannt. Gartenreich-Sprecher Steffen Kaudelka erklärte gegenüber “Spiegel Online”, dass man zwar grundsätzlich offen für eine neue Nutzung des Kraftwerksgebäudes sei, das Welterbe durch das Casino-Projekt aber keines falls gefährdet werden dürfe. “Die Unesco muss sehr eng in das Projekt eingebunden werden”, so Kaudelka, doch ”Ein Golfplatz und ein Hubschrauberlandeplatz passen nicht in die jahrhundertealte Kulturlandschaft.”
Alles in allem kein guter Start für das “Las Vegas des Ostens”. Denn auch nach dem Kauf der Spielbanken besteht noch großer Investitionsbedarf. Sollte man das Vorhaben wirklich realisieren wollen, müssten noch etliche Millionen fließen. Ob dies wirklich geschieht, und wo das Geld herkommen soll, steht noch in den Sternen. Laut der israelischen Tageszeitung “Haaretz” hatte Sybil im Jahr 2009 Schulden in Höhe von etwa 156 Millionen Euro.
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